Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Die Diagnosestellung einer ADHS ist ein Prozess: Es gibt keinen einzelnen
Test, der positiv oder negativ anschlägt und auch kein einzelnes Symptom, das
unfehlbar auf ADHS hinweist. Aus diesem Grund sind viele unterschiedliche
Untersuchungen erforderlich.
Die Diagnosefindung einer ADHS beginnt üblicherweise mit ausführlichen
Gesprächen, deren Ziel es ist, sich ein möglichst genaues Bild von Symptomen und
Schwierigkeiten zu machen. Die üblichen Fragen decken unterschiedliche Bereiche
ab: Von der Geburt über die Entwicklung des Kindes bis hin zu Erziehungsstil
oder Familiensituation.
Zur Diagnose gehört auch eine umfassende körperliche Untersuchung. Dabei
werden so grundlegende Dinge wie Gewicht, Größe, Blutdruck und Puls, Seh- und
Hörvermögen untersucht, um mögliche andere körperliche Ursachen für die Symptome
herauszufiltern oder auszuschließen. Auch eine Blutuntersuchung ist nicht
unüblich, um eine Funktionsstörung, z.B. der Schilddrüse, auszuschließen.
Mit testpsychologischen Untersuchungen wie Intelligenz- und Entwicklungstests
[4] wird nicht nur der Intelligenz-Quotient (IQ) des Kindes bestimmt,
sondern es sollen auch seine Konzentrationsfähigkeit und das Anwenden von Lösungsstrategien
beobachtet werden.
Auffällige Verhaltensweisen bei der Durchführung der Tests können die
Diagnose ADHS erhärten. Außerdem können die Ergebnisse auf andere Probleme
hinweisen, die die Symptome verursachen oder auch zusätzlich zu einer ADHS
vorliegen können, z.B. eine Lese-Rechtschreib-Schwäche.
Während des gesamten Diagnosevorgangs sammeln die Ärzte auch im direkten
Umgang mit dem Kind wertvolle Informationen. Der Experte kann beobachten, wie
sich das Kind im Gespräch und bei den Tests verhält, und bezieht dies in die
Diagnose mit ein.
Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, stellt der Arzt auf Grundlage der
Ergebnisse eine Diagnose [5]. Zu berücksichtigen ist dabei, dass fast
alle Kinder manchmal ADHS-Symptome aufweisen, z.B. sind Kinder häufig in einer
bestimmten Entwicklungsphase sehr unruhig.
Um eine ADHS von diesen “normalen” Phasen abzugrenzen, müssen die Symptome
einer ADHS
- nicht dem Alter und Entwicklungsstand entsprechen,
- bereits vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten sein,
- länger als 6 Monate bestehen,
- sehr ausgeprägt sein (soziale oder Lernleistungsbereiche deutlich
beeinträchtigen)
- und in mindestens zwei Lebensbereichen, also z.B. in der Schule und
der Familie, auftreten.
Referenzen
[4] Alfred, A., Eiden, S., Heuschen, K. W., Neuy-Bartmann,
A., & Rothfelder, U. (2007). ADHS-Praxishandbuch. Norderstedt: books on demand.
[5] AG-ADHS. (2007). Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und
Jugendärzte e. V. ADHS bei Kindern- und Jugendlichen. (AG-ADHS, Hrsg.)