Colitis Ulcerosa
Die Colitis ulcerosa ist eine chronische, schubweise verlaufende Entzündung
des Dickdarms. Betroffen sind die oberflächlichen Schleimhautschichten im
Dickdarm; es entstehen entzündliche Geschwüre, die leicht bluten. Typische
Krankheitszeichen sind blutiger Stuhl, Durchfälle und Leibschmerzen.
Die Colitis ulcerosa beginnt meist bei jungen Erwachsenen zwischen dem 20.
und 40. Lebensjahr. In Deutschland sind rund 160.000 Patienten betroffen, Frauen
etwas häufiger als Männer. In den beschwerdefreien Phasen der Colitis ulcerosa
ist zwar ein normales Alltagsleben möglich, aber ein akuter Schub ist
möglicherweise nicht nur schmerzhaft, sondern zwingt manchmal zur Bettruhe oder
sogar zum Krankenhausaufenthalt.
Ursachen unklar
Die Ursachen für die entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut sind
trotz intensiver Forschungen noch nicht geklärt. Vermutet wird, dass erbliche,
infektiöse und psychische Faktoren zusammenwirken. Wahrscheinlich spielt eine
Fehlfunktion des Immunsystems in der Auseinandersetzung mit den Bakterien der
Darmflora die entscheidende Rolle.
Bei allen Patienten mit Colitis ulcerosa ist der Enddarm (= Mastdarm)
befallen. Von dort kann sich die Erkrankung unterschiedlich weit über den
gesamten Dickdarm erstrecken. Bei 50 Prozent der Patienten sind nur der Enddarm
und der untere Teil des Dickdarms befallen, bei 30 Prozent ist zusätzlich der
absteigende linksseitige Abschnitt des Dickdarms betroffen und bei 20 Prozent
der gesamte Dickdarm.
In 85 Prozent der Fälle verläuft die Colitis ulcerosa chronisch und
schubweise. Nach Phasen ohne Krankheitsanzeichen, die auch Jahre andauern können,
erfolgt ein Rückfall. Zehn Prozent der Patienten haben keine beschwerdefreien
Zeitabschnitte. Ganz selten beginnt die Colitis ulcerosa dramatisch aus bester
Gesundheit heraus und ist dann besonders gefährlich, weil viele Komplikationen
auftreten.
Was sind die Symptome?
Je weiter die Colitis ulcerosa fortgeschritten ist und je weiter sie sich
ausgedehnt hat, desto heftiger können folgende Beschwerden ausgeprägt sein:
- Blutige Durchfälle (bis zu 20-mal pro Tag) sowie Schleim und Eiter
im Stuhl; der Blutverlust hat manchmal eine Blutarmut zur Folge, massive
Blutungen können lebensbedrohlich sein;
- Kolikartige Bauchschmerzen, unter Umständen mit leichtem Fieber
verbunden;
- Gewichtsabnahme;
- Seltener treten Entzündungen von Gelenken (Arthritis), Haut oder
Augen auf.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Am Anfang stehen eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte und die
körperliche Untersuchung.
Eine Blutuntersuchung gibt Hinweise, wie stark die Entzündung ausgeprägt und
wie hoch der Blutverlust ist. Die Methode der Wahl für die Diagnose einer
Colitis ulcerosa ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei können auch
Gewebeproben von der Schleimhaut gewonnen werden. Die Proben werden im Labor
unter dem Mikroskop untersucht. Danach weiß man, ob eine Entzündung vorliegt und
wie diese beschaffen ist.
Wie wird die Colitis ulcerosa behandelt?
Die Ursachen der Colitis ulcerosa sind nicht genau bekannt, weshalb sie sich
auch nicht ursächlich behandeln und heilen lässt. Entzündungshemmende
Medikamente können aber einen Krankheitsschub mildern und die Zeitabschnitte
zwischen zwei Schüben verlängern.
Am besten wirken Medikamente direkt am Ort des entzündlichen Geschehens im
Darm. Dies verursacht die geringsten Nebenwirkungen. Ist dies nicht möglich,
müssen sie über die Blutbahn wirkend (systemisch) eingesetzt werden. Folgende
Medikamente kommen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten in Frage:
Mesalazin-Präparate
Sie sind so verkapselt, dass sie sich nach oraler Einnahme gezielt am Ende
des Dünndarms oder erst im Dickdarm auflösen. Als Zäpfchen oder als
Einlaufpräparat erreichen die Wirkstoffe nur den unteren Teil des Dickdarms.
Diese Behandlung sollte mindestens noch zwei Jahre nach Abklingen der Entzündung
fortgesetzt werden, um einen neuen Schub hinauszuzögern bzw. einen
beschwerdefreien Zustand zu erhalten.
Kortison
Kortison wird bei schweren Schüben und bei Versagen der Mesalazin-Therapie
eingesetzt. Der Wirkstoff wird in Form von Tabletten verabreicht. Ist nur der
Enddarm befallen, kann Kortison auch als Zäpfchen oder Einlauf gegeben werden.
Mittel, die das Immunsystem bremsen
Immunsuppressiva werden bei schweren Verläufen eingesetzt. Sie sind auch eine
Alternative, wenn Kortison nicht ausreichend wirkt, zu hohe Nebenwirkungen
verursacht oder aus einem anderen Grund nicht eingesetzt werden kann. Vor allem
bei Kindern und Jugendlichen müssen Ärzte die unterschiedlichen Nebenwirkungen
von Immunsuppressiva und Kortison sorgfältig gegeneinander abwägen.
Die Therapie eines akuten Krankheitsschubes wird in Stufen gesteigert -
je nachdem, wie schwer der Schub verläuft. Je häufiger die blutigen Durchfälle
auftreten, je höher die Körpertemperatur steigt und je ausgeprägter das
Krankheitsgefühl ist, desto massiver muss therapiert werden. Es gibt folgende
Einteilung und Maßnahmen:
Leicht: Mesalazin-Tabletten bzw. Zäpfchen oder Einläufe;
Mittelschwer: zusätzlich Kortisontabletten;
Schwer: Immunsupressive Medikamente und Nährlösungen
über eine Infusionslösung (Tropf). Bei einem extrem schweren Verlauf bzw. bei
Komplikationen kommt auch ein chirurgischer Eingriff in Frage.
Die Mehrzahl aller Patienten mit einer leichten oder mittelschweren Colitis
ulcerosa sind ambulant behandelbar. Nur in wenigen Fällen lässt sich ein
Krankenhausaufenthalt nicht vermeiden.