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Essentielle Thrombozythämie

Die essentielle Thrombozythämie ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, die durch eine erhöhte Anzahl der Blutplättchen im Blut gekennzeichnet ist. Diese sind in ihrer Funktion meist gestört und können zur Verstopfung von Blutgefäßen führen, was sich als Herzinfarkt oder Schlaganfall zeigt. Meist tritt die Erkrankung in fortgeschrittenem Lebensalter auf (über 50 Jahre).

Wie entsteht eine Thrombozythämie?

Die Ursache für die Thrombozythämie ist ein Defekt in einer Stammzelle der Blutbildung. Diese Stammzelle ist der Ursprung für weitere Blutzellen, die im Knochenmark für die Bildung von Blutplättchen verantwortlich sind. Diese Zellen produzieren dann viel mehr Blutplättchen als normalerweise üblich.

Was sind die Anzeichen einer Thrombozythämie?

Die deutliche Zunahme der Blutplättchen (Thrombozyten) verursacht eine erhöhte Neigung zu arteriellen Blutgerinnseln. Dies äußert sich in Durchblutungsstörungen verschiedener Organsysteme, mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt oder Verschluss von Arterien der Beine (Raucherbein).

Andere Symptome sind Schmerzen beim Gehen (weil die Beine schlechter durchblutet werden), eine Leere im Kopf oder Sehstörungen. Auch Verschleppungen von Blutgerinnseln mit dem Verschluss von Arterien (arterielle Embolien) können vorkommen. Paradoxerweise kann aber auch eine erhöhte Blutungsneigung mit Blutergüssen und kleinfleckigen Hautblutungen auftreten. Die Ursache dafür liegt in einer Funktionsstörung der Blutplättchen, die bei der essentiellen Thrombozythämie auftreten kann. Die Funktionseinschränkung äußert sich in einer verminderten Fähigkeit zur Zusammenlagerung und Anlagerung an die Gefäßwand.

Die meisten Patienten haben bei der Diagnosestellung keine Symptome. Die Krankheit wird oft durch eine Routineuntersuchung des Blutes festgestellt. Es zeigt sich eine auffallende Erhöhung der Blutplättchen auf Werte bis zu über eine Million pro Mikroliter Blut (normal sind 150.000 bis 400.000). Wichtig: Erhöhungen auf Werte zwischen 400.000 und 800.000 pro Mikroliter sind zumeist eine normale Reaktion des blutbildenden Systems und können z. B. durch Blutungen oder Infektionen verursacht werden.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Zumeist erfolgt die Diagnose zufällig durch eine Blutbildbestimmung. Darüber hinaus trägt zur Diagnose bei:

  • Bestimmung der Thrombozytenfunktion: Diese zeigt, ob die Thrombozyten normal funktionieren. Eine eingeschränkte Funktion macht eine essentielle Thrombozythämie wahrscheinlich, ist jedoch nicht beweisend, da auch eine normale Funktion vorliegen kann.
  • Knochenmarkpunktion und -untersuchung: Sie ist für die sichere Diagnose erforderlich, und gibt Aufschluss über das Ausmaß der Veränderung im Verlauf der Erkrankung. 
  • Analyse der Chromosomen auf genetische Veränderungen (Zytogenetik): Bei etwa der Hälfte der Patienten liegt eine Veränderung (JAK-2-Mutation) vor. 
  • Feststellung der Milz- und Lebergröße im Ultraschall

Wie wird eine Thrombozythämie behandelt?

Folgende Medikamente werden zur Therapie angewendet:

  • Hydroxyurea (als wachstumshemmende Substanz)
  • Anagrelid (als speziell auf die Blutplättchen-produzierenden Zellen des Knochenmarks wirksame Substanz)
  • Interferon-alpha (als wachstumshemmende Substanz) 

Die Wahl richtet sich nach dem Alter des Patienten, dem Ausmaß der Blutplättchenerhöhung bzw. den Nebenwirkungen, die vom Patienten toleriert werden. Das Mittel der ersten Wahl ist derzeit Hydroxyurea - in Abhängigkeit von der Verträglichkeit. Interferon-alpha wird vor allem von älteren Patienten wegen der häufig auftretenden grippeähnlichen Nebenwirkungen nicht toleriert. Anagrelid hemmt speziell das Wachstum der Knochenmarkzellen (Megakaryozyten), die für die Thrombozytenbildung verantwortlich sind. Weil es im Gegensatz zu Hydroxyurea kein Leukämierisiko hat, wird Anagrelid vor allem bei jüngeren Patienten gern eingesetzt.

Zur Verhinderung von arteriellen Thrombosen wird Acetylsalicylsäure (ASS) eingesetzt. Bei sehr hohen Thrombozytenzahlen von mehr als eine Million pro Mikroliter ist die Anwendung jedoch kontraindiziert, weil dann das Risiko für Blutungen deutlich steigt.

Die Lebenserwartung von Patienten mit essentieller Thrombozythämie ist bei einer wirksamen Behandlung nahezu normal.