Bradykinin ist ein zentraler Mediator
Das Peptidhormon Bradykinin ist der pathophysiologische Mediator der Schwellungsattacken
beim hereditären Angioödem (HAE). Aber auch andere nicht-allergisch bedingte Angioödem-
Formen wie das ACE-Hemmer induzierte Angioödem werden durch lokal erhöhte Bradykinin-
Spiegel bzw. durch eine erhöhte Bradykinin-Wirkung vermittelt.
Bradykinin entsteht bei Aktivierung der Kallikrein-Kinin-Kaskade, zum Beispiel als Antwort auf
einen gefäßschädigenden Reiz. Dabei katalysiert Kallikrein die Bildung von Bradykinin aus
Kininogenen. Das Peptidhormon bindet an Bradykinin-B2-Rezeptoren, was zu einer Vasodilatation
und erhöhten Gefäßpermeabilität führt. Bradykinin-B2-Rezeptoren (BKR-2) kommen als
Zelloberflächenproteine in den meisten Körpergeweben vor. Bindet Bradykinin an BKR-2, verändert
dies die Struktur des Rezeptors (Transmembranportein) und führt zum Start der intrazellulären
Signalkaskade, was schließlich in den unterschiedlichen physiologischen Effekten von Bradykinin
resultiert. Die Halbwertszeit des Peptidhormons ist mit ca. 15 Sekunden relativ kurz.
Die typischen Vorgänge bei der Bradykinin-vermittelten Angioödembildung werden durch die
Freisetzung vasoaktiver Substanzen, unter anderem von Stickstoffmonoxid und Prostaglandinen,
ausgelöst. Die Folge sind eine erhöhte vaskuläre Permeabilität, Vasodilatation, verstärktes
Schmerzempfinden und Entzündungsvorgänge. Der C1-Esterase-Inhibitor (C1-INH) übernimmt die
Rolle des endogenen Kallikrein-Inhibitors und begrenzt damit die Produktion von Bradykinin. Bei
einem C1-Esterase-Inhibitor-Mangel kann die Bradykinin-Konzentration in den Blutgefäßen
vorübergehend deutlich ansteigen. Als Folge tritt vermehrt Flüssigkeit in das umliegende Gewebe über
und es entsteht eine nicht-juckende, umschriebene Schwellung der Haut oder Schleimhaut.