Morbus Fabry – ein Chamäleon unter den Erkrankungen
Morbus Fabry ist eine Multisystemerkrankung. Das klinische Bild der Erkrankung ist vielfältig
und es können zahlreiche Organe betroffen sein.
Die Krankheitszeichen bei M. Fabry betreffen eine Vielzahl von Organen, wobei sich manche
Symptome erst im Verlauf der Erkrankung klinisch manifestieren. Folgende Organsysteme können
betroffen sein: Nieren, Herz, Nervensystem, Haut, Augen und Gastrointestinaltrakt.
Charakteristische Symptome sind anfallsartige auftretende oder auch chronisch anhaltende, brennende
Schmerzen in den Akren (Akroparästhesien), aber auch im Abdomen, kardiovaskuläre (myokardiale
Ischämie, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen) und zerebrovaskuläre Störungen, einschließlich
apoplektischen Insulten sowie eine fortschreitende Niereninsuffizienz. Auch systemische Symptome
wie Fieber zeigen sich häufig. Phänotypisch weisen Patienten mit Morbus Fabry oft angedeutet
akromegaloide Gesichtszüge auf. Gelegentlich ist eine spärliche, feine Gesichts- und Körperbehaarung
oder auch eine Makroglossie auffällig. Viele Fabry-Patienten schwitzen kaum oder gar nicht, so dass
Hitze und körperliche Anstrengung schlecht toleriert werden.
Grundsätzlich sollte an das Vorliegen eines Morbus Fabry gedacht werden bei: Angiokeratomen,
vermindertem Schwitzen (Hypo- oder Anhidrose), unerklärbaren Schmerzen und Fieberanfällen,
ungeklärter Protenurie, Angina pectoris bei angiographisch unauffälligen Koronararterien, frühen
zerebralen Insulten sowie Einlagerungen in Hornhaut und Linse (Cornea verticillata, Fabry Katarakt,
Tortuositas vasorum).
Die ersten klinischen Manifestationen treten bereits in der Kindheit oder im Jugendalter auf und
entwickeln sich diskret und schleichend. Massive Organveränderungen an Herz und Niere entstehen
meist erst zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, dabei entwickeln Frauen sehr oft die typischen
Symptome der Erkrankung um 5 bis 10 Jahre später als Männer. Weibliche Patientinnen zeigen eine
große Bandbreite an klinischen Erscheinungsformen. Während einzelne Frauen mit M. Fabry
symptomlos bleiben, sind andere ebenso stark betroffen wie hemizygote Männer.