Das Nervensystems ist nur selten betroffen
Die frühere Klassifizierung des Morbus Gaucher in die Typen 1 bis 3 wird zunehmend verlassen und
durch die Einteilung in eine „nicht-neuropathische“ (ehemals Typ 1) und eine „neuropathische“
(ehemals Typ 2 und 3) Form ersetzt.
Bei der nicht-neuropathischen Form (ca. 95% aller Fälle) ist der Krankheitsverlauf in der Regel
langsam progredient. Klinisch manifestiert sich der Morbus Gaucher meist erst im Erwachsenenalter.
Allerdings kann die Milz bereits im frühen Kindesalter vergrößert sein, was mit einem vermehrten
Abbau von Erythrozyten (Anämie), Thrombozyten (Blutungsneigung, häufige Hämatome) und
seltener auch Leukozyten (erhöhte Infektanfälligkeit) einhergeht. Oftmals berichten die Betroffenen
Knochen- und Gelenkbeschwerden. Insgesamt reicht das Symptom-Spektrum von beschwerdefrei bis
hin zu schweren Organschäden mit Invalidität und ggf. letalem Ausgang. In manchen Fällen
entwickelt sich ein Parkinson-ähnliches Syndrom, ansonsten fehlen neurologische Symptome.
Typischerweise ist die Lebensqualität der Patienten durch Müdigkeit, Asthenie und
Leistungsminderung eingeschränkt. Eine Krankheitsmanifestation im Kindesalter wird in der Regel
von Wachstumsstörungen begleitet. In schweren Fällen kann die Lunge durch Organkompression,
Wirbelkörper- bzw. Rippenfrakturen oder durch eine Infiltration der Lungenkapillaren bzw. des
Lungenparenchyms einbezogen sein (Belastungsdyspnoe). Eine Lungenfibrose oder eine pulmonale
Hypertension sind sehr seltene Befunde. Es liegen auch Einzelberichte von kardialen (Perikarditis,
Klappenerkrankung, Myokardiopathie) und renalen (meist asymptomatisch) Beteiligungen vor.
Ebenfalls seltene Komplikationen sind Sehbehinderungen durch eine Augenbeteiligung.
Patienten mit einer schweren neuropathischen Form des Morbus Gaucher werden in der Regel
bereits zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat auffällig. Typisch sind gehäufte Infekte der Atemwege,
Vergrößerungen von Leber und Milz mit Vorwölbung des Abdomen und ausgeprägte zentralnervöse
Symptome mit Spastik (axialer Hypertonus, Stridor, Dysphagie, Augenmuskellähmungen, seltener
auch Krampfanfälle). Wirksame Behandlungsmöglichkeiten gibt es für diese sehr seltene Form (< 1%,
ehmals Typ 2) bisher nicht. Die Betroffenen entwickeln eine schwere Kachexie, Gelenkkontrakturen
und therapieresistente Infekte und versterben meist vor dem 2. Lebensjahr. Etwas häufiger (< 5%,
ehemals Typ 3) wird eine mildere neuropathische Verlausform beobachtet. Diese subakute Form
manifestiert sich in der Regel später und verläuft langsamer. Die klinischen Symptome können sehr
unterschiedlich sein (z. B. myoklonische Epilepsie, zerebelläre Ataxie, Spastik, fortschreitender Abbau
geistiger Fähigkeiten, Verhaltensaussfälligkeiten). Oftmals äußert sich die zerebrale Beteiligung in
einer Störung der Augenmotilität (horizontale supranukleäre Blickparese). Selten erreichen Patienten
mit der subakuten neuropathischen Verlaufsform das 3. Lebensjahrzehnt.