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Mukopolysaccharidosen – gestörter Abbau von Glykosaminoglykanen

Mukopolysaccharidosen sind vererbte Stoffwechselerkrankungen, die durch ungenügende Aktivität lysosomaler Enyzme verursacht wird. Dadurch ist der Stoffwechsel komplexer Kohlenhydrate (Glykosaminoglykane) gestört und es manifestieren sich Symptome an multiplen Organen.

Mukopolysaccharide unterliegen wie alle Bestandteile des Körpers dem Kreislauf von Neusynthese und Degradation. Ist die Aktivität eines der am Abbau beteiligten Enzyme aufgrund eines Gendefekts verloren gegangen oder eingeschränkt, reichern sich die Mukopolysaccharide in der Zelle an. Diese Akkumulation von lysosomalen Stoffwechselprodukten verursacht eine Schädigung der Zellen und induziert schließlich Funktionsstörungen in multiplen Organen.

Die klinische Manifestation der einzelnen Gendefekte differiert in Abhängigkeit davon, welches Substrat akkumuliert. Ist zum Beispiel der Stoffwechsel von Heparansulfat, einer Komponente von Nervenzell-Membranen gestört, werden zerebrale Symptome verursacht wie z.B. bei der Mukopolysaccharidose Typ III (M. Sanfilippo). Ist dagegen der Abbauweg von Keratan-Sulfat, einem wichtigen Bestandteil von Knorpelgewebe betroffen, manifestieren sich die Symptome primär am Skelett-System wie z.B bei der Mukopolysaccharidose Typ IV (M. Morquio).

Wenngleich Mukopolysaccharidosen unterschiedliche Enzym-Defekte zugrunde liegen können, haben diese Stoffwechselerkrankungen oft charakteristische Symptome gemeinsam. Zu typischen Merkmalen, die den Verdacht auf diese Erkrankungen wecken sollten, gehören Skelettdeformationen, dickes Haar und grobe Gesichtszüge sowie Schäden am zentralen Nervensystem. Auch eine Organomegalie wie eine Vergrößerung von Leber und Milz gilt als charakteristisches Zeichen von Mukopolysaccharidosen. Bei der Mukopolysaccharidose Typ III (M. Sanfilippo) stellt die Hepatosplenomegalie meist das einzige Symptom dar.

Tabelle 1: Verschiedene Formen der Mukopolysaccharidosen (MPS)

Mukopolysaccharidose

Enzym-Defekt

Klinische Symptomatik

Chromosomen Lokalisation

OMIM

MPS I (Hurler, Scheie) A-Iduronidase Disproportionierter Kleinwuchs, grobe Gesichtszüge, Viszeromegalie, oft mentale Retardierung 4p16.3 607015
MPS II (Hunter) Iduronatsulfatase Disproportionierter Kleinwuchs, grobe Gesichtszüge, Viszeromegalie, oft mentale Retardierung Xq28 309900
MPS IIIA (Sanfilippo A) Heparan N-Sulfatase Mentale Retardardierung, Tetraspastik, endet in vegetativem Stadium 17q25.3 252900
MPS IIIB (Sanfilippo B) N-Azetylglukosaminidase Mentale Retardardierung, Tetraspastik, endet in vegetativem Stadium 17q21 252910
MPS IIIC (Sanfilippo C) Azetyl-CoA Transferase Mentale Retardardierung, Tetraspastik, endet in vegetativem Stadium ? 252930
MPS IIID (Sanfilippo D) N-Azetylglukosamin-6-sulfatase Mentale Retardardierung, Tetraspastik, endet in vegetativem Stadium 12q14 252940
MPS IVA (Morquio A) N-Azetylgalaktosamin-6-sulfatase Skelett-Dysplasie, Stenose im kranio-zervikalen Übergang, Hörstörungen, normale Intelligenz 16q24.3 253000
MPS IVB (Morquio B9) ß-Galaktosidase Skelett-Dysplasie, Stenose im kranio-zervikalen Übergang, Hörstörungen, normale Intelligenz 3p21.33 230500
MPS VI (Maroteaux-Lamy) N-Azetylgalaktosamin-4-sulfatase Disproportionierter Kleinwuchs, grobe Gesichtszüge, Viszeromegalie, normale Intelligenz 5q11-13 253200
MPS IX Hyaluronidase Kleinwuchs, Gelenkschwellungen, normale Intelligenz 3p21.3 601492