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Morbus Hunter im Verlauf – erste Symptome frühzeitig vorhanden

Während bei der Geburt noch keine augenscheinlichen Symptome vorhanden sind, manifestiert sich bei Patienten mit Morbus Hunter innerhalb kurzer Zeit ein breites Spektrum klinischer Symptome. Werden die Symptome erkannt, lässt sich die Diagnose frühzeitig stellen, und es kann eine Therapie begonnen werden.

Bei der Geburt sind die Symptome von M. Hunter noch nicht ersichtlich. Eine Makrozephalie ist aber bei sehr vielen Patienten direkt nach der Geburt nachweisbar. Symptome, die bei Patienten mit M. Hunter bereits im ersten Lebensjahr auftreten können, sind beidseitige Leistenhernien. Im frühen Kindesalter entwickeln die Patienten meist eine Nabelhernie. Chronischer Schnupfen und rezidivierende Ohrinfektionen sind in diesem Lebensalter ebenfalls häufig.

Weitere augenfällige klinische Symptome machen sich bei Patienten mit M. Hunter meist im Alter von zwei bis vier Jahren bemerkbar. Makrozephalie und vergröberte Gesichtzüge wie eine breite Nase, hervorstehende Backenknochen, buschige Augenbraun und struppige Haare sind typische Zeichen dieser Erkrankung. Doch meist sind diese Symptome zu unspezifisch, sodass die Diagnose erst verzögert nach mehreren Jahren erfolgt.

Charakteristische Merkmale sind auch ein disproportionierter Kleinwuchs, eine Hepatosplenomegalie und Gelenkkontrakturen, Klauenhände und ein Gibbus. Wegen Makroglossie ist der Rachen kaum einsehbar und viele Patienten haben eine Gingivahyperplasie. Die Eltern berichten über rezidivierende Diarrhöen und gehäufte Infektionen der oberen Atemwege. Auch weitere Atemwegserkrankungen wie obstruktive und restriktive Lungenerkrankungen sowie ein Schlafapnoe-Syndrom treten überdurchschnittlich häufig auf. Die Herzbeteiligung kann zu einer hypertrophen Kardiomyopathie, Rhythmusstörungen, Klappenverdickungen und damit Klappeninsuffizienzen und -stenosen führen. Mögliche spätere Merkmale sind weiße, knötchenförmige Hautveränderungen am Rücken, den Oberarmen und Beinen.

Der Verlauf der Erkrankung ist heterogen. Früher wurde eine schwere und eine attenuierte Verlaufsform unterschieden. Heute wird diese Einteilung jedoch kontrovers diskutiert und anstelle der Einteilung in zwei Gruppen eher von einem Spektrum unterschiedlicher Schweregrade und Symptommanifestationen ausgegangen.

  • Die schwere Verlaufsform verläuft in zwei Phasen: In den ersten Jahren sind die Kinder sehr aktiv, kräftig und fröhlich, wobei sie sich teilweise auch aggressiv verhalten. Mit Fortschreiten der Erkrankung gehen dann die sprachlichen Fähigkeiten verloren. In dieser zweiten Phase steht der Verlust von körperlichen Fähigkeiten im Vordergrund. Die Kinder werden ruhiger und friedlicher, zeigen jedoch Gangunsicherheiten und Einschlaf- sowie Durchschlafstörungen. Ihre Entwicklung scheint rückläufig. Sie verlernen das Gehen, verschlucken sich häufig beim Essen und können eine Epilepsie entwickeln. Die Kinder versterben an einer Lungenentzündung oder durch Herzversagen.
  • Bei Patienten mit der attenuierten Verlaufsform stehen neurologische Symptome im Vordergrund. Durch Verdickung der Meningen kann sich ein Myelokompression-Syndrom im Bereich des kraniozervikalen Übergangs entwickeln. Parästhesien, Kraftverlust, eine reduzierte Gehstrecke und ein zentrales Schlafapnoe-Syndrom sind weitere klinische Merkmale dieser Verlaufsform.

Tabelle: Frühe und mögliche späte klinische Symptome bei Morbus Hunter (MPS II)

Frühe Anzeichen und Symptome

Mögliche spätere Merkmale und Symptome

Makrozephalie Knötchenförmige Läsionen am Rücken und an den Armen
Grobe Gesichtszüge Hirsutismus
Wiederkehrende Ohrinfektionen Kleinwüchsigkeit
Chronischer Schnupfen Fortschreitender Gehörverlust
Atemprobleme Zahnanomalien
Vergrößertes Abdomen Obstruktive Atemwegserkrankungen
Nabel- und Leistenhernien Häufige Lungenentzündungen
Entwicklungsverzögerung Herz-/Herzklappenerkrankungen
  • Fortgeschrittene
  • Gelenksteife
  • Gelenkkontrakturen
Beteiligung des Zentralnervensystems (Hydrozephalus, fortschreitende geistige Retardierung)
  • Dysostosis multiplex: Fortschreitende Skelettfehlbildung mit eingeschränkter Gelenkbeweglichkeit
  • Kleinwüchsigkeit
  • Karpaltunnelsyndrom

Vergröberte Gesichtzüge wie eine breite Nase, hervorstehende Backenknochen, buschige Augenbraun und struppige Haare sind typische Zeichen dieser Erkrankung, die sich meist im Alter von zwei bis vier Jahren manifestieren.

Ein disproportionierter Kleinwuchs, Klauenhände und ein Gibbus sind weitere charakteristische Merkmale von M. Hunter.